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Nervenverletzungen
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Die peripheren Nerven (Nerven außerhalb des Rückenmarks) haben einen konstanten anatomischen Aufbau. Die Leitung der elektrischen Nervenimpulse geschieht in den sog. Axonen, das sind mikroskopisch kleine Bahnen, die von den Nervenzellen im Rückenmark bis zu den Erfolgsorganen (Muskulatur, Tastkörperchen) verlaufen. Zahlreiche solcher Axone werden von Bindegewebe (Perineurium) zu Nervensträngen (sog. Faszikeln) zusammengefaßt. Mehrere solcher Faszikelgruppen (die bereits mit bloßem Auge sichtbar sind), und von Hüllegewebe (Epineurium) umgeben sind, bilden einen peripheren Nerven.

Es können können 3 Schweregrade der Verletzung unterschieden werden.

Bei der Neuropraxie ist durch Dehnung oder Quetschung der Nerv geschädigt, ohne dass es zu einer Unterbrechung der Kontinuität der Axone oder des Hüllgewebes kommt.

Bei der Axonotmesis sind die Axone teilweise durchtrennt, aber das Hüllgewebe (Epi- und Perineurium) intakt.

Bei der Neuronotmesis ist der Nerv vollständig durchtrennt.

Die Nervenregeneration erfolgt stets vom Rückenmark aus. Der Nerv erholt sich, indem er von der Nervenzelle aus wächst (1 mm pro Tag). Bei einer Nervennaht ist also nicht wie bei der Reparatur einer Stromleitung die Funktion sofort wieder hergestellt, sondern es dauert einige Monate, bis die Funktion wiederkehrt. Die Funktion kehrt auch nicht vollständig wieder, sondern weist meistens ein Funktionsdefizit auf, das vom Ausmaß der Verletzung, Lebensalter, Zeitpunkt der Versorgung u.ä. abhängt. Nach etwa 2 Jahren ist die Regeneration in der Regel abgeschlossen. Nach dieser Zeit ist meistens keine weitere Besserung des Befundes zu erwarten.

Nervenchirurgie

 

Therapieprinzip
 
 

Eine Neuropraxie heilt ohne operative Maßnahmen in der Regel fast vollständig ab.

Bei einer Axonotmesis ist die Regeneration schlechter. Bei fehlender Erholung mit Neurombildung ist unter Umständen später eine Nerventransplantation erforderlich.

Eine vollständige Nervendurchtrennung heilt nicht ohne Behandlung ab. Durch die Kontinuitätsunterbrechung findet das auswachsende körpernahe Nervenende keinen Anschluss an das Erfolgsorgan. Es kommt an der Durchtrennungsstelle zu einer kolbenartigen Auftreibung (Neurom). An dieser Stelle besteht sehr oft eine Überempfindlichkeit bei Berührung mit einem elektrisierenden Gefühl.

Ein Auswachsen der Nerven ist nur möglich, wenn durch eine Nervennaht das körpernahe Nervenende wieder Anschluss finden kann. Unter Zuhilfenahme einer optischen Vergrößerungshilfe (Lupenbrille, Operationsmikroskop) werden die Hüllgewebe (Perineurium, Epineurium) der beiden Nervenenden adaptiert, damit die Axone auswachsen können. Da dabei nicht sämtliche Axone den richtigen Anschluss finden, ist nicht mit einer völligen Wiederherstellung der Funktion zu rechnen.

Der größte Feind einer guten Nervenregeneration ist zu große Spannung auf der Nervennaht. Um dies zu vermeiden, ist es bei Defekten erforderlich, eine Nerventransplantation durchzuführen. Dabei wird der Defekt durch ein Stück Hautnerv vom Bein oder Arm (mit entsprechendem Funktionsausfall) überbrückt.
Damit eine Nervennaht Erfolg versprechend ist, muss sie möglichst frühzeitig erfolgen. Ab 6 Monate nach dem Unfall sinken die Chancen auf ein gutes Ergebnis deutlich.

Nervenverletzungen
Nervenchirurgie

 

Anästhesieform
 
 
Kleinere Eingriffe können in Lokal- oder Regionalanästhesie durchgeführt werden. Für größere Eingriffe ist eine Vollnarkose zu empfehlen.

 

Risiken
 
 

Außer den Standardrisiken (Infektion, Blutung, Wundheilungsstörung) besteht nur die Möglichkeit einer ungenügenden Regeneration.

 

Nachbehandlung
 
 

Nach der Operation sollte die Nervennaht etwa 3 Wochen ruhiggestellt werden. Eine medikamentöse Unterstützung der Nervenheilung ist nicht gesichert. Bis zur Erholung der Muskelfunktion sind unter Umständen Lagerungsschienen erforderlich. Das Fortschreiten der Nervenheilung kann klinisch durch Untersuchung festgestellt werden. Bei Beklopfen des Nervenstammes in seinem Verlauf ist am Ort der Regeneration ein Elektrisieren (sog. Hofmann-Tinel-Zeichen) festzustellen. Dieses Zeichen wandert im Verlauf der Nervenerholung vom Körperstamm in die Peripherie. Zusätzlich kann durch Messung der Nervenleitgeschwindigkeit die Erholung der Nerven objektiviert werden. Bei nicht zeitgerechter Regeneration ist unter Umständen eine Revision der Nervennaht mit Transplantation eines anderen Nervs notwendig. Um die Wiederherstellung des Gefühls zu verbessern, ist eine Schulung mittels Ergotherapie zu empfehlen.

 

Kosten
 
 
Die Kosten werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen oder bei Arbeitsunfällen von den Berufsgenossenschaften übernommen.