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Dr. med Hans Bucher

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Hyperhidrose

Übermässige Schweißsekretion in den Achselhöhlen, den Handflächen, Fußsohle oder anderen Körperregionen kann ein großes individuelles und soziales Problem darstellen. Hyperhidrose ist definiert als vermehrte Schweißsekretion, Bromhidrose als vermehrte Produktion von übel riechendem Schweiß. Es gibt einige Behandlungsansätze und Berichte über gute Behandlungserfolge, aber keine kontrollierten klinischen Studien.

Diagnostik der Hyperhidrose

Vor der Behandlung sollten allgemeine ínternistische Krankheiten, z.B. Schilddrüsenberfunktion, ausgeschlossen werden.

Bei Bedarf kann der Ort der vermehrten Schweißsekretion mit dem Jod-Stärke-Test (Minor-Test) festgestellt werden. Dazu wird Lugolsche Lösung (3%-ige Jodlösung) auf die zu untersuchende Körperegion aufgetragen. Sobald die Lösung angetrockend ist, wird Stärkemehl auf die fragliche Körperregion aufgestreut. An den Stellen vermehrter Schweißsekretion wird das Stärkemehl angefeuchtet und färbt sich durch die aufgebrachte Jodlösung braun bzw. schwarz. Da die Regionen vermehrten Schwitzens vom Patienten meistens gut angegeben werden können, ist der Teset nur in unklaren Fällen notwendig.

Durch Gravimetrie kann das Ausmaß der Schweißsekretion festgestellt werden. Dies ist hauptsächlich für wissenschaftliche Fragestellungen interessant. Es wird ein kleines Löschblatt von definierter Grösse eine festgelegte Zeit z.B. in die Achselhöhle gelegt. Der Gewichtsunterschied durch den aufgenommenen Schweiß ist ein Maß für die Schweißsekretion.

Lugolsche Lösung
Lugolsche Lösung
Minor Test
Minor Test

Therapieprinzipien der Hyperhidrose

Chirurgische Excision der Schweißdrüsen

Die invasivste Maßnahme für die Hyperhidrose der Achselhöhle ist die komplette Entfernung der Haut und des Fettgewebes mit anschließender Verschiebelappenplastik oder freier Hauttransplantation. Gelegentlich kommen Wundheilungsstörungen vor. Es resultieren eine Narbenbildung und ein vollständiger Verlust der Achselbehaarung. Diese Methode sollte nur bei Versagen anderer Methoden angewandt werden. Therapie der Wahl ist sie bei immer wiederkehrenden Schweißdrüsenabszessen (sog. Akne inversa oder Hidradenitis suppurativa).

Thorakale Sympathektomie

Die Schweißsekretion wird durch das sympathische Nervensystem gesteuert. Über einen endoskopischen Zugang (Thorakoskopie) wird nahe an der Wirbelsäule das sympathische Nervengeflecht zerstört. Mögliche Folgen können Störungen des sympathischen Nervensystems (Horner-Syndrom, Störungen beim Schmecken o.ä.) oder Schädigungen der Lunge (Pneumothorax, Blutung) sein. Hauptsächlich wird die thorakale Sympathektomie von Gefäßchirurgen angewandt, da sie auch bei Durchblutungsstörungen der oberen Extremität durchgeführt wird. Kontrollierte Studien existieren nicht.

Botulinumtoxin zur Behandlung der Hyperhidrose

Die Nervenübertragung auf die Schweißdrüsen wird durch den Stoff Acetylcholin gesteuert. Diese Übertragung wird durch Botulinum-Toxin A gestört. Bei der Behandlung werden ca. 50 IE Botulinumtoxin gleichmäßig in die Haut der Achselhöhle, der Handflächen oder Fußsohlen injiziert. Der Eingriff kann wegen der vielen Injektionsstellen in Regional- oder Allgemeinanästhesie durchgeführt werden. Die Wirkung klingt ca. nach 3 - 6 Monaten wieder ab. Deshalb sind mindestens zwei Behandlungen pro Jahr notwendig. Es liegen zahlreiche positive Berichte vor. Kontrollierte Studien existieren nicht.

Botoxinjektion
Injektion Botulinumtoxin
Botulinumtoxin Hand
Injektionspunkte Hand

Saugkürettage (Liposuction)

Schweißdrüsen

Eine relativ neue Methode zur Behandlung der Hyperhidrose ist die Saugkürettage (oberflächliche Fettabsaugung). Die Schweißdrüsen liegen direkt unter und in der untersten Schicht der Lederhaut und werden dabei mit dem Fettgewebe abgesaugt.

Im Durchschnitt wird eine Reduktion der Schweißsekretion um 70 % erreicht. Patienten mit starker Schweißproduktion profitieren mehr von dem Eingriff als solche mit mittlerer Sekretion. Etwa 5 % der behandelten Patienten benötigt eine weitere Behandlung, was problemlos durchführbar ist. Kontrollierte klinische Studien gibt es aber nicht.

Die Lederhaut wird praktisch mit Speziellen Kanüle von innen her abgekratzt. Dadurch wird zum einen die Nervenversorgung der Schweißdrüsen geschädigt andererseits aber auch Schweißdrüsen quantiativ entfernt. Es resultiert dadurch eine sehr dünne Hautschicht , die einem freien Vollhauttransplantat ähnelt. Der Eingriff kann gut in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Gelegentlich gibt es Wundheilungsstörungen, die durch die starke Ausdünnung und die damit verbundene Durchblutungsstörung der Haut bedingt sind. Es gibt einige positive Berichte über diese Methode in den letzten Jahren. Es wird aber auch berichtet, dass bei 30% der Patienten die Ergebnisse nicht ausreichend sind.Kontrollierte klinische Studien gibt es bisher nicht.

Absaugkanülen
Absaugkanülen
Saugkürretage
Saugkürettage

Bewertung der Methoden

Nachdem die genannten Methoden sehr unterschiedlich eingreifend sind und die Erfolge nicht bei allen Methoden garantiert werden können, empfiehlt sich ein Behandlungsbeginn mit Saugkürettage (Achselhöhle) und Botox (Achselhöhle, Hand- und Fußflächen). Erst bei Versagen dieser Möglichkeiten sollten die größeren Operationen (chirurgische Excision, Sympathektomie) zur Anwendung kommen.

Anästhesieform bei der Behandlung der Hyperhidrose

Je nach Eingriff in Lokalanästhesie (Fettabsaugung), Regionalanästhesie (Botox) oder Vollnarkose (Sympathektomie).

Risiken der Hyperhidrosebehandlung

Die Injektion von Botulinumtoxin hat fast keine Nebenwirkungen. Infektionen kommen praktisch nicht vor. Da das Mittel sehr hoch verdünnt wird, ist eine vorübergende Schädigung benachbarter Muskeln praktisch auszuschliessen. In seltenen Fällen kann sich durch Antikörperbildung eine fehlende Ansprechbarkeit entwickeln.

Die Risiken der Saugkürettage lassen sich alle durch eine Durchblutungsstörung der Haut erklären. Es kommen z.B. kleinere Hautedefekte, Flüssigkeitsansammlungen (Serome) und eine Minderung des Haarwuchses vor. Schwerwiegende Wundheilungsstörungen sind theoretisch denkbar, wurden von mir aber bisher nicht beobachtet.

Nachbehandlung bei der Hyperhidrosebehandlung

Die Injektion von Botulinumtoxin erfordert keine spezielle Nachbehandlung.

Bei der Saugkürettage sollte ein Kompressionsverband angelegt werden, der die Haut auf der Unterlage fixiert.Dadurch wachsen bereits nach 24 Stunden Blutgefäße in die vorher abgelöste Haut ein und ernähren sie. Der Verband wird nach 3 Tagen erneuert und bis zum 6. Tag nach der Operation belassen. danach ist in Abhängigkeit von der Wundheilung nur noch ein kleinerer Verband notwendig.
Durch den Eingriff entsteht unter der Haut der Achselhöhle eine flächenhafte Narbe, die vorübergehend das Anheben der Arme im Schultergelenke etwas behindert. Die gibt sich nach einigen Wochen von selbst. Nach etwa 6 Monaten ist die Narbe wieder weich geworden.
Falls in seltenen Fällen eine weitere Behandlung erforderlich ist, kann dies frühestens nach 6 Monaten erfolgen.

Kosten der Hyperhidrosebehandlung

Bei der Saugkürettage handelt es sich um eine neue Behandlungsform. Laut der gültigen Gesetzeslage dürfen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für solche ambulanten Behandlungen erst übernehmen, wenn dies vom Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA) der Ärzte und Krankenkassen positiv entschieden wurde. Über die Saugkürettage wurden bisher keine Beschlüsse gefaßt. Die Kosten dürfen deshalb nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Bei privaten Krankenkassen gibt es dieses Hinderniss nicht, hier kann jede Krankenkasse frei entscheidemn.

Die Preise beginnen bei ca. € 600,-- pro Behandlungsstelle für Botuminumtoxin (abhängig vom Medikamentenverbrauch) und ab € 1600,-- für die Absaugung beider Achselhöhlen. Dazu kommen noch die Kosten für die Anästhesie, falls der Eingriff nicht in örtlicher Betäubung durchgeführt wird.